Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Rother,
für diese Woche und gegebenenfalls darüber hinaus steht in Passau eine Hitzewelle an, die unter Umständen mit neuen Rekordwerten „glänzen könnte“. Auch wenn es kleine Verbesserungen im Schutz und der Bewirtschaftung öffentlicher Grünflächen gegeben hat: Sie reichen nicht aus, um echte, spürbare Klimaresilienz in Passau zu realisieren. Im Übrigen kann ich meinen Beobachtungen vor Ort leider nur recht deutlich entnehmen, dass sich auch gar kein wirkliches Umdenken eingestellt hat. >>
Insbesondere geht hier die Stadtgärtnerei ganz aktuell mit unverkennbarer Chuzpe ihrer „normalen Tätigkeit“ nach. Es ist schier unglaublich: Ab morgen werden hier die Grade jenseits der 35° einen Aufenthalt im „Grünen“ nur noch schwer möglich machen – und in unserem schönen „Röhr-Weiher-Park“ gilt das umso mehr, wo doch diese letzte „Bastion der Erfrischung“ sage und schreibe HEUTE an allen Ecken und Enden niedergesenst wird (siehe auch Foto von eben im Anhang).
Wenn die Stadtgärtnerei hier also ohnehin nach „Gutdünken“ in „altbewährter rustikaler Manier“ anstandslos „ihrer Arbeit nachgehen kann und offensichtlich auch darf“, erübrigt sich jedes weitere Gespräch, egal auf welcher Ebene. Denn dann muss die Stadt Passau erst mal beweisen, dass den wohlfeilen Worten auch Taten folgen.
Die von Ihrem Büro am Telefon beschriebene große Nachfrage nach Gesprächsterminen lässt bei mir im Übrigen nur den einen Schluss zu: Die Experten/Sachverständigen, die in Passau endlich die so dringend benötigten ersten Schritte zur Klimaresilienz umsetzen werden, geben sich im Rathaus offenbar die Klinke in die Hand, um einen Kurswechsel bei Stadtgärtnerei und Bauhof auf den Weg zu bringen.
Ganz klar, dass da „gutmeinende Otto-Normal-Bürger“ wie meine Wenigkeit hier sehr gern einen Schritt zurücktreten, um einen professionellen Fortschritt zu ermöglichen. Und da will mir der zugedachte Termin im September auch nur noch wenig Sinn machen. Deshalb ist es sicher das Beste, diesen auch gleich an dieser Stelle zu canceln. Vermutlich schone ich damit sowohl Ihren dichtgedrängten Terminkalender als auch Ihr sicher stark beanspruchtes Nervenkostüm. Und ich darf hinzufügen: Meinen Nerven tut das inzwischen auch sehr gut, sich hier nicht ein um das andere Mal aufreiben zu müssen.
Entscheidend ist ja letztlich, „was unten dabei herauskommt“, wenn ich hier mal unseren Altkanzler Kohl zitieren darf. So ziehe ich es allemal vor, hier vor Ort einfach das TUN zu können, was in meiner Macht liegt – und das ist so wenig auch nicht.
Ich erlaube mir, hier sozusagen abschließend noch einmal ZWEI zentrale Standpunkte kurz darzulegen:
- Bewirtschaftung aller Grünflächen nach Art der Almbauern, das bedeutet ganz klar: Schneiden/Mähen im Frühjahr und im Herbst/Spätherbst.
- Entsiegelung allzu üppiger Teerflächen. EIN Beispiel: Spitalhofstraße, kompletter Streifen entlang aller Gebäude, Breite so wie ein Ziegelstein lang ist. Diese ent-teerte Zone wird der Natur überlassen; es werden sich dort standortgerechte Pflanzen ansiedeln, die zudem niemand regelmäßig gießen muss, die aber zur Kühlung an heißen Tagen beitragen, außerdem Staub adsorbieren und bei Starkregenereignissen für einen gewissen Puffer sorgen.
Zu dieser und ähnlichen Vorgehensweisen gilt vor allem: Wir werden uns in Passau an eine „neue Wildnis“ gewöhnen MÜSSEN. Ja, mir ist klar, dass das ein dickes Brett bedeuten kann, weil leider immer noch alte Begriffe von „Ordnung, Sauberkeit“ usw. uns hier das Leben regelrecht schwer machen. Aber ohne diese Umgewöhnung, die im Übrigen ohne Weiteres mit etwas gutem Willen machbar ist, werden wir Passau nicht klimaresilient gestalten können.
Es gibt weitere überaus bedenkenswerte Aspekte, die ich aber nicht weiter erörtern möchte. Wie oben schon vermutet, überlasse ich dieses Feld gerne jenen Personen, die den Vorzug erhalten, ihre Konzepte ausführlicher mit Ihnen zu erörtern.
Ich hatte es gut gemeint; ein erster schöner Austausch in Ihrem Brillengeschäft vor der Wahl ließ mich hoffen. Wir haben alle Optionen, mit unserer wunderbaren Stadt durchzustarten. Ob und inwieweit hier auch die Bürgerschaft in einen authentischen Dialog auf Augenhöhe eingebunden wird, kann einen, wenn nicht DEN Unterschied machen.
Danke fürs Lesen.
MfG
Christian Vogel
PS.: Der OB hat genau das Foto hier als Anlage erhalten, so kann er sich im wahrsten Sinne des Wortes auch ein Bild machen als Ergänzung zu meinen Ausführungen.
PPS.: Wünsche Euch eine erholsame Woche, wir hatten einen tollen Morgenimpuls mit Sonja. Nächsten Dienstag ist wieder Morgenandacht um 7.45 h, herzliche Einladung !
lgc
Di 28.Juli 2026 10.54 h